Neue Studie: Frauen mit Hashimoto oder Morbus Basedow erhalten häufiger Fehldiagnosen
Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow zählen zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen in Deutschland. Rund 2,3 Prozent der gesetzlich Versicherten haben die Diagnose Hashimoto, das sind etwa 1,7 Millionen Menschen. Studien, die auch unerkannte Fälle erfassen, kommen für Europa sogar auf rund acht Prozent. Betroffen sind vor allem Frauen. Sie erkranken etwa zehnmal so häufig wie Männer.
Dennoch warten Frauen mit Autoimmunerkrankungen länger auf ihre Diagnose als Männer. Das zeigt eine internationale Befragung von mehr als 6600 Betroffenen, die jetzt in der Fachzeitschrift eClinicalMedicineaus der Lancet-Gruppe erschienen ist. Rund 43 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass ihre Autoimmunerkrankung zunächst als psychische Störung fehlgedeutet wurde. Den Autorinnen und Autoren der Studie zufolge war die statistische Chance (Odds) für Frauen um 46 Prozent höher als für Männer, dass ihre Autoimmunerkrankung als psychische Erkrankung fehlgedeutet wurde, und um 74 Prozent höher, dass sie als psychosomatische Erkrankung fehlgedeutet wurde. Die größte Gruppe unter den Teilnehmenden bildeten Menschen mit autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis.

Was wurde in der Studie zu den Fehldiagnosen bei Hashimoto untersucht?
Die Studie stammt von einem Team um die Forscherin Melanie Sloan von der University of East Anglia und der University of Cambridge. Zwischen Dezember 2024 und März 2025 lief eine Online-Befragung. Teilnehmen konnten Erwachsene mit einer ärztlich bestätigten Autoimmunerkrankung oder entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Patientinnen und Patienten, Selbsthilfeorganisationen und Ärztinnen und Ärzte haben den Fragebogen gemeinsam entwickelt und vorab getestet.
Insgesamt flossen die Angaben von 6607 Personen in die Auswertung ein. 91 Prozent waren Frauen. Das liegt noch über dem Frauenanteil von rund 70 bis 80 Prozent, den die Autorinnen und Autoren für Autoimmunerkrankungen weltweit angeben. Knapp 70 Prozent der Teilnehmenden lebten in Großbritannien, sieben Prozent im übrigen Europa.
Gefragt wurde nach drei Punkten:
Wie viel Zeit verging zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnose?
Wie viele Arztbesuche waren bis dahin nötig?
Wurden die Symptome zwischenzeitlich einer anderen Ursache zugeschrieben? Unterschieden wurden eine psychische Erkrankung, eine psychosomatische Ursache und eine andere körperliche Erkrankung.
Als psychosomatisch galten im Fragebogen körperliche Beschwerden, die durch psychische Faktoren verursacht oder verstärkt werden. Die Forschenden verglichen die Antworten von Frauen und Männern. Bei den Fehldeutungen rechneten sie zusätzlich Einflüsse wie Alter, Art der Erkrankung, Herkunftskontinent und finanzielle Lage heraus. Wichtig für das Verständnis: Das Team spricht bewusst von wahrgenommenen Fehldiagnosen. Erfasst wurde allein die Sicht der Betroffenen.
Was haben die Forschenden herausgefunden?
Die deutlichsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigten sich bei den psychischen und psychosomatischen Erklärungen. Bei der Verwechslung mit einer anderen körperlichen Erkrankung lagen Frauen und Männer dagegen gleichauf.
Konkret gaben 43,3 Prozent der Frauen an, dass ihre Beschwerden zunächst einer psychischen Erkrankung zugeschrieben wurden. Bei den Männern waren es 32,7 Prozent. Eine psychosomatische Erklärung hatten 33,9 Prozent der Frauen und 21,5 Prozent der Männer erhalten. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Mit einer anderen körperlichen Erkrankung verwechselt wurden dagegen 43,5 Prozent der Frauen und 47,6 Prozent der Männer. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Der Unterschied blieb bestehen, als die Forschenden Alter, Erkrankung, Herkunftsregion und finanzielle Lage berücksichtigten. Die statistische Chance (Odds) für eine berichtete psychische Fehldeutung lag bei Frauen dann um 46 Prozent höher als bei Männern. Bei psychosomatischen Fehldeutungen betrug das Plus 74 Prozent. Auch eine schwierige finanzielle Lage ging mit häufigeren Fehldeutungen dieser Art einher. Das Alter spielte dagegen keine Rolle.
Auch der Weg zur Diagnose dauerte bei Frauen länger:
Männer nannten am häufigsten eine Wartezeit von weniger als drei Monaten (21 Prozent). Frauen nannten am häufigsten ein bis zwei Jahre (16 Prozent).
Innerhalb eines Jahres erhielten 50 Prozent der Männer, aber nur 40 Prozent der Frauen ihre Diagnose.
Vier Jahre oder länger warteten 32 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer.
Elf oder mehr Arztbesuche bis zur Diagnose berichteten 26 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer.
Ein zweiter Befund betrifft beide Geschlechter gleichermaßen: Die Raten berichteter Fehldeutungen waren insgesamt hoch. Auch etwa jeder dritte Mann gab an, dass seine Symptome zunächst psychisch erklärt wurden.
Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen bilden die größte Gruppe der Studie
Die häufigste Hauptdiagnose war mit 22,9 Prozent eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung (Autoimmunthyreopathie). Das waren 1.455 Frauen und 59 Männer. Erst danach folgten Lupus (SLE), Sjögren-Syndrom und rheumatoide Arthritis. Die Studie unterscheidet nicht zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow. In Deutschland ist Hashimoto allerdings die mit Abstand häufigere Form: Nach Abrechnungsdaten ist sie rund fünfmal so häufig diagnostiziert wie Morbus Basedow. Es ist daher anzunehmen, dass ein großer Teil dieser Gruppe an Hashimoto erkrankt ist.
Besonders bemerkenswert ist, wie oft gerade diese Gruppe von psychischen Fehldeutungen berichtete. Nach den Abbildungen der Studie gehören Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen hier zur Spitzengruppe. Nur bei autoimmuner Enzephalitis und bei undifferenzierter Kollagenose lagen die Anteile noch höher. Den Grafiken zufolge berichtete etwa jede zweite Frau mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung, dass ihre Beschwerden zunächst als psychisch erklärt wurden. Bei den Männern lag der Anteil mit rund 40 Prozent niedriger. Auch psychosomatische Erklärungen wurden in dieser Gruppe vergleichsweise häufig genannt.
Bei den Männern zeigt sich ein anderes Muster. Ihre Schilddrüsenbeschwerden wurden nach den Grafiken häufiger einer anderen körperlichen Erkrankung zugeschrieben als bei Frauen. Wegen der kleinen Zahl von nur 59 Männern ist dieser Unterschied aber mit Vorsicht zu betrachten.
Warum werden Hashimoto und Morbus Basedow so oft fehlgedeutet?
Die Studie zeigt insgesamt: Erkrankungen mit klaren Laborwerten oder sichtbaren Symptomen werden seltener psychisch fehlgedeutet. Polymyalgia rheumatica, Typ-1-Diabetes und rheumatoide Arthritis lagen am unteren Ende.
Auch für Hashimoto gibt es gut messbare Marker: TSH und fT4 zeigen, wie die Schilddrüse arbeitet. TPO-Antikörper, seltener Thyreoglobulin-Antikörper, und der Ultraschall weisen die Autoimmunentzündung nach. Doch ein Laborwert hilft nur, wenn er auch bestimmt und im Kontext von Anamnese und sonstigen Parametern richtig interpretiert wird. Dass dies in der Praxis nicht immer gelingt, legen die Ergebnisse nahe. Warum, hat die Studie allerdings nicht untersucht.
Eine Reihe von Gründen dürfte hier eine Rolle spielen:
So äußern sich die Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion gerade zu Beginn oft unspezifisch. Dadurch kommt die Schilddrüse als Ursache womöglich erst spät in Betracht.
Obwohl die Forschung in den vergangenen Jahren viele neue Erkenntnisse zu der herausragenden Rolle der Schilddrüse im Stoffwechsel gewonnen hat und sowohl die wissenschaftlichen Publikationen zum Thema als auch die Fälle in der Praxis immer mehr werden, führt die Hashimoto-Thyreoiditis im Bewusstsein vieler Mediziner noch immer ein Schattendasein. Endokrinologie, also das Teilgebiet, das sich mit der Funktion der Drüsen und der Rolle der Hormone beschäftigt, nimmt im Medizinstudium der meisten angehenden Ärzte nur einen kleinen Raum ein. Auch die Autorinnen und Autoren der Studie verweisen auf strukturelle Hürden wie Zeitdruck in der Praxis und eine begrenzte Ausbildung zu selteneren Autoimmunerkrankungen.
Warum erhalten Frauen häufiger Fehldiagnosen?
Für die Unterschiede zwischen Frauen und Männern nennen die Autorinnen und Autoren im Diskussionsteil mehrere mögliche Gründe. Überprüft haben sie diese nicht, eine Folgestudie dazu läuft bereits.
Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich bei Hashimoto oft schleichend über Monate oder Jahre. Typische Beschwerden sind:
anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
gedrückte Stimmung, Reizbarkeit oder Ängstlichkeit
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
Frieren, trockene Haut, Haarausfall und Verstopfung
Zyklusstörungen
Fast jede dieser Beschwerden kann auch andere Ursachen haben. Erschöpfung und Konzentrationsprobleme passen ebenso zu einer Depression, zu Dauerstress oder zu Schlafmangel. Die Autorinnen und Autoren der Studie nennen außerdem die Wechseljahre als Stolperstein. Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen treten dort ebenfalls häufig auf. Hashimoto betrifft vor allem Frauen und wird häufig im mittleren Lebensalter festgestellt. Damit fällt die Erkrankung oft genau in diese Lebensphase.
Hinzu kommt ein Effekt, den Fachleute als „diagnostische Überschattung“ bezeichnen. Ist bereits eine Angststörung oder Depression bekannt, werden neue Beschwerden leichter dieser Diagnose zugeordnet. In der Studie gaben 24 Prozent der Frauen eine Angststörung an, bei den Männern waren es 16 Prozent. Die Forschenden halten es für möglich, dass dies einen Teil der Geschlechterunterschiede erklärt.
Wichtig ist aber auch die Kehrseite. Psyche und Schilddrüse beeinflussen sich gegenseitig. Eine Unterfunktion kann depressive Symptome selbst auslösen. Umgekehrt können Betroffene zusätzlich eine eigenständige Depression oder Angststörung haben.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 kam zu folgendem Ergebnis: Menschen mit Hashimoto berichteten eine schlechtere Lebensqualität als Gesunde, auch bei normalen Schilddrüsenwerten oder unter Hormontherapie. Höhere Schilddrüsen-Antikörper gingen dabei mit einer geringeren Lebensqualität einher. Beim TSH-Wert zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Psychische Beschwerden sind bei Hashimoto also nicht automatisch eine Fehldiagnose. Sie verdienen aber eine sorgfältige Abklärung in beide Richtungen.

Fortbestehende Vorurteile in der Medizin könnten Frauen benachteiligen
Noch ein anderer Grund könnte laut den Autorinnen und Autoren den großen Geschlechterunterschied erklären: Vorurteile, die historisch gewachsen sind und bis heute nachwirken könnten. Die Studie verweist auf Untersuchungen, nach denen Frauen bei der Schilderung von Beschwerden als weniger glaubwürdig gelten. Ihre Symptome werden zudem eher als „emotional“ eingeordnet. Eine viel zitierte schwedische Übersichtsarbeit zu chronischen Schmerzen bringt dieses Muster schon im Titel auf den Punkt: „tapfere Männer“ und „emotionale Frauen“.
Solche Zuschreibungen haben eine lange Vorgeschichte. Über Jahrhunderte wurden unerklärliche Beschwerden von Frauen als „Hysterie“ gedeutet. Erst mit der dritten Auflage des amerikanischen Diagnosehandbuchs DSM verschwand 1980 die Diagnose „hysterische Neurose“. An ihre Stelle traten andere Kategorien.
Die Forschenden fordern deshalb, Vorurteile offen zu prüfen und abzubauen, im Gesundheitssystem ebenso wie bei einzelnen Ärztinnen und Ärzten. Vertrauen entsteht nach ihren Angaben vor allem durch Kontinuität bei derselben Ärztin oder demselben Arzt. Ebenso wichtig sei es, Beschwerden ausdrücklich ernst zu nehmen, gerade solange noch keine Erklärung gefunden ist.
Und noch ein historisch gewachsenes Problem könnte laut den Autorinnen und Autoren die Probleme in der Diagnostik zu Ungunsten der Frauen vergrößern: Frauengesundheit wurde lange weniger gefördert. Auch die vorklinische Forschung orientiert sich seltener am weiblichen Körper.
Wie groß ist die Aussagekraft der Studie?
Die Autorinnen und Autoren bezeichnen ihre Arbeit selbst als explorativ und raten zu einer vorsichtigen Interpretation. Für die Einordnung sind mehrere Punkte wichtig:
Alle Angaben stammen von den Betroffenen und liegen teils Jahre zurück. Erinnerungen können ungenau sein. Die Forschenden halten es aber für unwahrscheinlich, dass dieser Effekt Frauen und Männer unterschiedlich betrifft.
Eine Ärztin kann eine Depression als mögliche Ursache in Betracht ziehen, ohne dass das ein Fehler ist. Das gehört zur üblichen Abwägung verschiedener Ursachen. Auch eine echte psychische Reaktion auf unerklärte Beschwerden kann später als Fehldiagnose erinnert werden.
Mögliche Verzerrung bei der Auswahl: Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, beteiligt sich vielleicht eher an einer solchen Umfrage. Eine Rücklaufquote ließ sich nicht berechnen.
Knapp 70 Prozent der Teilnehmenden lebten in Großbritannien, 88 Prozent waren weiß. Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf das deutsche Gesundheitssystem übertragen.
Mit 583 Männern war die Vergleichsgruppe klein. In einzelnen Krankheitsgruppen waren es nur wenige Dutzend.
Trotz dieser Grenzen hat die Studie einen Wert. Krankenakten halten meist nur die endgültige Diagnose fest. Wann die ersten Beschwerden auftraten und welche Erklärungen es zwischendurch gab, steht dort selten. Genau diese Lücke füllt die Befragung.
Was können Betroffene selbst tun, um die Sicherheit in der Diagnose zu erhöhen?
Für Menschen mit Hashimoto oder dem Verdacht darauf lassen sich aus der Studie einige praktische Schlüsse ziehen:
Beschwerden festhalten: Notieren Sie, seit wann welche Symptome bestehen und wie sie sich verändern. Ein solches Beschwerdetagebuch macht schleichende Verläufe im Gespräch greifbar.
Nach der Schilddrüse fragen: Bei anhaltender Müdigkeit gehört der TSH-Wert zur Basisdiagnostik. Das empfiehlt auch die hausärztliche DEGAM-Leitlinie zum Thema Müdigkeit. Sprechen Sie die Schilddrüse ruhig direkt an, besonders wenn Hashimoto in Ihrer Familie vorkommt.
Psychisch und körperlich schließen sich nicht aus: Eine psychische Diagnose kann zutreffen und trotzdem nicht alles erklären. Wenn sich Beschwerden trotz Behandlung nicht bessern, ist eine erneute körperliche Abklärung sinnvoll.
Bei bekannter Hashimoto-Diagnose auf neue Symptome achten: Wer bereits eine Autoimmunerkrankung hat, erkrankt häufiger an einer weiteren. Neue oder veränderte Beschwerden sollten deshalb nicht reflexhaft auf die Schilddrüse oder die Psyche geschoben werden.
Unterlagen mitbringen: Frühere Laborwerte, Befunde und eine Liste der bisherigen Arztbesuche helfen, den Verlauf zu überblicken. Bei Unsicherheit ist eine zweite Meinung, etwa in einer endokrinologischen Praxis, legitim.
Quellen
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FAQ: Hashimoto, Fehldiagnosen und Geschlechterunterschiede
Werden Frauen mit Autoimmunerkrankungen häufiger falsch diagnostiziert?
In der aktuellen Befragung mit 6.607 Teilnehmenden berichteten Frauen deutlich häufiger als Männer, dass ihre Beschwerden zunächst psychisch oder psychosomatisch erklärt wurden. Sie warteten zudem länger auf die Diagnose und brauchten mehr Arztbesuche. Die Studie beruht allerdings auf Selbstauskünften und zeigt wahrgenommene, keine ärztlich bestätigten Fehldiagnosen.
Warum wird Hashimoto oft spät erkannt?
Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich meist schleichend. Typische Beschwerden wie Müdigkeit, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme oder Gewichtszunahme sind unspezifisch. Sie passen auch zu Depression, Stress oder den Wechseljahren. Deshalb wird an die Schilddrüse oft erst spät gedacht, obwohl sich Hashimoto mit Blutwerten und Ultraschall gut nachweisen lässt.
Mit welchen Untersuchungen lässt sich Hashimoto feststellen?
Erster Schritt ist in der Regel der TSH-Wert im Blut. Ist er auffällig, folgen meist das freie Thyroxin (fT4) und die Schilddrüsen-Antikörper, vor allem die TPO-Antikörper. Ein Ultraschall der Schilddrüse ergänzt die Diagnostik.
Kann Hashimoto Depressionen oder Ängste auslösen?
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann depressive Symptome verursachen. Umgekehrt kann eine Depression oder Angststörung auch unabhängig von der Schilddrüse bestehen. Wichtig ist deshalb eine Abklärung in beide Richtungen.
Wie häufig ist Hashimoto in Deutschland?
Nach Abrechnungsdaten hatten 2022 rund 2,3 Prozent der gesetzlich Versicherten eine Hashimoto-Diagnose. Das sind etwa 1,7 Millionen Menschen. Hashimoto ist damit die häufigste diagnostizierte Autoimmunerkrankung in Deutschland. Frauen sind etwa viermal so häufig betroffen wie Männer.
Was kann ich tun, wenn ich mich mit meinen Beschwerden nicht ernst genommen fühle?
Halten Sie Ihre Symptome in einem Beschwerdetagebuch fest und bringen Sie frühere Befunde mit. Sprechen Sie die Schilddrüse gezielt an und fragen Sie, ob der TSH-Wert bestimmt wurde. Bessern sich Beschwerden trotz Behandlung nicht, ist eine erneute Abklärung sinnvoll. Eine zweite Meinung, etwa von spezialisierten Medizinern wie Endokrinologen oder Internisten mit Schilddrüsen-Schwerpunkt ist empfehlenswert.
Sind psychische Beschwerden bei Hashimoto immer eine Fehldiagnose?
Nein. Menschen mit Hashimoto können zusätzlich eine eigenständige Depression oder Angststörung haben, die eine eigene Behandlung braucht. Eine psychische Diagnose sollte aber nicht dazu führen, dass körperliche Ursachen übersehen werden.




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